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Warum immer Drei Ebenen Modelle?


Jetzt kriege ich gerade eine Meise. Oder eine Amsel. Auf jeden Fall einen Vogel. Vielleicht sogar drei Vögel. Drei Ebenen der Vögel. Ich war just dabei, für einen wissenschaftlichen Ansatz ein Modell zu entwickeln, als mir klar wurde, dass der verdammte Ansatz drei Ebenen hat. Wie auch schon der davor und der davor. In diesem Fall (wir reden von Informatik) ist es die Ebene der Softwareumsetzung, die Ebene der Inhaltsumsetzung und die Ebene des Lernenden, also der menschlichen Verarbeitung. Ja, es geht dabei um ELearning, was aber hier nichts zur Sache tut. Ich habe ein hochaktives Gehirn, was leider den Nebeneffekt hat, dass es sich, während ich noch an dem Modell herumdenke, bereits mit anderen Sachen beschäftigt. In diesem Fall mit den drei Ebenen. Ich ziehe kurz in Erwägung, aus Trotz noch eine vierte Ebene hinzuzufügen, einfach nur um der Sache eine andere Ästhetik zu geben, aber der Gedanke an Sabine Hossenfelder (ein fröhliches 'Hallo' an die Kollegin), deren Beitrag über die Schönheit in der Physik ich vor kürzerer Zeit auf Youtube gesehen habe, hält mich davon ab. (Übrigens: ein sehr gelungener Beitrag, wie ich finde. Er ist hier). Also bleibt es bei drei Ebenen

Was stört mich daran?

Ganz einfach. Es sind IMMER drei Ebene. Es gibt drei Ebenen der Kommunikation (Nur Schulz von Thun hat hier die vier Ohren der Kommunkation eingeführt! Ein ehrliches Dankeschön dafür! Das Modell ist zu finden auf seiner Website (Schulz-von-Thun) und in den Referenzen), es gibt die drei Ebenen der Beschreibung von menschlichem Verhalten in einem Mensch-Maschine Modell, das in den 1980er Jahren von Jens Rasmussen eingeführt wurde, das drei Ebenen Modell der Informationsverarbeitung im Computer, das drei Ebenen Modell der Organisation, der drei Ebenen Wachstumsmodell und so weiter und so fort. Ich habe bei einer kurzen Analyse im Internet drei Ebenen Modelle in folgenden Bereichen gefunden: in Psychologie, in Philosophie, im Bereich Wirtschaft, im Bereich Schulentwicklung, im Kontext qualitativer Datenanalyse (also die, die auf Worten basiert und nicht auf Zahlen, kurz gesagt), und natürlich im Bereich Informatik. Es gibt noch viel viel mehr, aber dabei soll es zunächst mal genug sein.


Warum also drei Ebenen?

Drei Ebenen tauchen immer dann auf, wenn zwei Ebenen nicht reichen. Ja, witzig, ist doch klar. Aber ich meine das ganz genau so, wie ich sage: die erste Ebene ist die des Individuums oder einer Gruppe von Personen mit einem ganz klaren Kriterium. Beispielsweise Lernende. In der zweiten Ebene kommt dann noch mehr hinzu, beispielsweise andere Individuen, die dann wahlweise wieder als Gruppe oder als Einzelne abgebildet sind. Also zum Beispiel Lehrende. Dann gibt es aber noch eine dritte Personengruppe (oder eben wieder auch Individuen), die nochmal Einfluss nehmen. Das wären dann im Beispiel Eltern. Das Modell ergibt auf diese Weise eigentlich keine Ebenen, sondern ein Dreieck. Wenn es drei Ebenen sind, dann hätte man implizit eine Hierarchie ausgedrückt, die bei einem Dreieck nicht eigentlich vorliegt. Wenn es sich um drei hierarchische Ebenen handelt, dann ist implizit mit der Lokalisierung auf einer Ebene auch sofort eine Bedeutung verbunden: oberste Ebene nimmt Einfluss auf die untere. Selten jedoch nimmt in diesem Modellen die unterste Ebene wieder Einfluss auf die oberste, denn dann hätte man wieder ein Dreieck. Hierarchie bietet sich also nur an, wenn zwischen allen Punkten eine einzelne Verbindung besteht. Bei menschlichen Modellen (wie Kommunikation etc.) ist es meist eher opportun in Dreiecken zu denken, als in der planen Ebene. Denn auch wenn die Verteilung der Menschen in der Organisation eventuell hierarchisch organisiert ist, so ist doch die Kommunikation meist zwischen allen beteiligten wichtig. Merke dabei: auch nicht reden ist eine Form der Kommunikation.


Was ist denn aber nur so magisch an der Zahl drei?

Bleiben wir nochmal beim Dreieck als Modell und nicht auf den drei plan übereinander liegenden Ebenen. Wir haben geometrisch als erstes Symbol den Punkt, und es ist ziemlich schwer, sich den als eindimensional vorzustellen. Immerhin kann man ihn auf ein Blatt zeichnen, auch wenn er dann schon eine bestimmte Fläche einnimmt, aber lassen wir das erstmal. Das nächste, was man noch gut und ohne zeichnerisches Talent hinbekommt, ist eine Linie. Fein, da haben wir schon zwei Aspekte miteinander in Verbindung gebracht. Schön und gut. Wenn wir jetzt noch einen dritten Punk dazu legen, haben wir ein Dreieck. Das sieht sexy aus, wirkt schon richtig wissenschaftlich (ja, ich habe inzwischen auch gelernt, dass das heutzutage ein wichtiges Kriterium ist) und ist auch noch beschreibbar! Also mit Labeln an den Punkten und an den Linie. Bedeutungstragend sozusagen. Richtig gut! Wenn wir jetzt noch einen Punkt dazu nehmen, haben wir zwei Möglichkeiten der Gestaltung. Die eine ist die Verbindung mit dem Dreieck in der dritten Dimension, was auf einem Papier wahrscheinlich bei den meisten Zeichner*innen richtig doof aussieht (okay, Schönheit liegt im Auge des Betrachtenden) sondern auch nicht mehr beschreibbar ist. Es entsteht eine Pyramide mit dreieckiger Grundfläche (ein sogenanntes Tetraeder) - die dann interessanter Weise vier Flächen hat und nicht drei. Die andere Möglichkeit ist folgende. Wenn man den vierten Punkt dann im Sinne eines Quadrates zeichnet, also in 2D bleibt, dann hat man keine komplette Verbindung mehr zu allen anderen Punkten. Kann also sein, dass die Dreiecksdarstellung einfach pragmatisch die einfachste ist, um etwas darzustellen, was komplex aber nicht kompliziert ist. Und auch nicht zu komplex, sondern noch gut nachvollziehbar. Nun gut. Die drei Ebene, die übereinander liegen, können natürlich ohne Probleme weiter gedacht und ausgebaut werden, kein Problem. Nur dass der Druck auf die untere Ebene natürlich immer weiter zunimmt, je mehr Ebenen auf ihr lasten. Lassen wir also die Mehrebenenmodelle. Bleiben wir bei den dreier Modellen. Drei miteinander durch drei Linien verbundene Punkte (und nicht drei durch zwei Linien verbundene Ebenen).


Es kann sein, dass die Drei-Ebenen Modelle, auch wenn es dann tatsächlich Dreiecksmodelle sind, so attraktiv sind, weil sie schon so lange vorhanden sind? Nehmen wir nur mal die drei Phasen des Menschseins, über die wir wissenschaftlich bestätigt etwas sagen können: Geburt, Leben und Tod. Ein sehr altes Symbol, was ich sehr gerne mag, ist die Triskele, die auf die Jungsteizeit zurückgeht. Später wurde die Zahl drei dann auch von den Kelten verwendet (natürlich, die Kelten haben ja fast alles gemacht, was die spirituelle Community heute attraktiv findet. Ob sie das geahnt haben?) Alte Göttinnenkulte kannten das Mädchen, die Frau und die Greisin, auch als spirituelle Zustände (das wird evtl. Zeit, das wieder anzuerkennen, auch gesellschaftlich meine ich). Auch das Christentum hat die heilige Zahl drei genutzt: Körper, Geist und Seele finden ihre Pendants in Sohn, Heiliger Geist und Vater (war die Zuordnung so richtig?). Aus Vater und Mutter wird Kind und nur das Kind macht die Eltern zu Vater und Mutter. Also ein Dreieck. Konzeptionell bleibt das auch bei mehreren Kindern so. Numerologisch bringt die Drei Glück -- man klopft daher drei Mal auf Holz. Warum eigentlich Holz? Erde, Wasser und Luft brechen aus diesem Rahmen aus, wenn die drei-Elemente-Lehre (Erde, Wasser, Luft) zur vier-Elemente Lehre (meist Erde, Wasser, Luft und Feuer) wird.


Fakt bleibt, dass die Zahl drei die erste Zahl ist, die sich aus den beiden vorherigen Zahlen ergibt. Sie ist eine Primzahl und ungerade. Sie ist außerdem die letzte Zahl, die im römischen Zahlensystem direkt abgezählt werden kann (I, II und III... danach geht es mit VI weiter). Damit ist sie die größte Zahl, die aus so vielen Strichen geschrieben werden kann, aus denen sie dann auch besteht (au weia, das klingt komisch, aber ihr wisst bestimmt was ich meine. Genau genommen besteht auch die römische 4 aus drei Strichen.). In der Wikipedia gibt es einen Artikel zur Zahl Drei, bei der man nachlesen kann, wie das Symbolzeichen 3 entstanden ist - da lagen tatsächlich die drei Striche zugrunde, allerdings wohl eher nicht die römischen, sondern andere.


Ja, und die Drei hält sich bis heute: die drei Fragezeichen (Die drei ???, also die von Robert Arthur) sind nicht nur in meiner Jugend Kult gewesen, auch meine Kinder kennen und mögen sie. Nicht zu vergessen die drei Enten Tick, Trick und Track... die sieht man heute allerdings recht selten, finde ich. Ist eventuell aber eine subjektiv verzerrte Wahrnehmung.


A propos verzerrte Wahrnehmung. Kann es sein, dass meine Fokussierung auf die drei Ebene, drei Elemente oder was auch immer tatsächlich eine subjektiv verzerrte Wahrnehmung ist? Ich hatte schon immer einen besonderen Hang zu Dreicken, gestehe ich, sodass ich zu meinem drei-zehnten Geburtstag von meinen Eltern einen Ring mit passender Kette mit einem Dreieck geschenkt bekam. Drei Dreifarbenlehre hat ja auch was für sich, die Grundfarben dabei sind Rot, Gelb und Blau und ich wollte es als Kind gar nicht glauben, dass man Blau nicht aus anderen Farben mischen kann... zumindest nicht bei Deckfarben und das hat zu einem herrlichen Gematsche im Farbkasten geführt. Dass der Mensch nur drei Arten von Zapfen (das sind Sinneszellen) für entsprechend drei Farbbereiche besitzt und sich den Rest quasi selbst zusammenmischt hängt damit vielleicht zusammen -- so genau weiß ich das allerdings nicht. Seitdem ich gelernt habe, dass Bienen keine Farbwahrnehmung haben wie Menschen (ach was!!!) sondern mit ihren Spezialaugen ultraviolett sehen können, habe ich eine leichte Irritation beim Betrachten blühender Sommerwiesen voller Insekten und frage mich, was ich da sehe und warum. Auch gibt es wesentlich mehr dreiblättrige Kleeblätter, als mehrblättrige, aber das würde jetzt wirklich in die Irre führen.


Zurück zur Eingangsfrage: warum gibt es so viele Modelle mit drei Ebenen? Nun, vielleicht ist die Antwort einfach die, dass etwas mit drei Beinen nicht wackelt... und die Abstimmung zwischen Menschen schafft bei drei Menschen schon die Möglichkeit einer Mehrheitsbildung. Three is a team.


Wenn mich also jemand fragt, warum meine Modelle so oft drei Ebenen habe, werde ich antworten: damit sie nicht wackeln.

Ist klar geworden, oder?




Literatur zum Weiterlesen und Weiterschauen

Sabine Hossenfelder, Existential Physics, Viking Verlag, 2022, ISBN-10:198487945

Marc Chamberland: 3. Die Zahl Drei. Kapitel in: Von Eins bis Neun - Große Wunder hinter kleinen Zahlen, Springer Verlag, Heidelberg, 2016

Jens Rasmussen: Skills, rules, and knowledge; signals, signs, and symbols, and other distinctions in human performance models. IEEE Trans. Systems, Man, Cybernetics, SMC-13 (1983), pp. 257–266

Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden (1 bis 3), Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 48 (April 2010) ISBN-10: 3499174898k ISBN-13: 978-3499174896

Edith Wüst, Sabine Schieferle, Das große Handbuch der Numerologie: Mit den Zahlen sich selbst erkennen, Neue Erde Verlag, 2010, ISBN-10 ‏:3890605591


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